Arbeit als Flucht

Manche Führungskräfte stürzen sich in die Arbeit um sich mit anderen, vielleicht komplizierteren und weniger kontrollierbaren Fragestellungen in anderen Lebensbereichen nicht beschäftigen zu müssen. ...

Die Arbeit schenkt mir kontrollierbare und zuverlässigere auf meiner Leistung beruhende Erfolgserlebnisse. In der Arbeit werde ich als Führungskraft normalerweise schon allein wegen meiner Funktion von meinen Kollegen und Mitarbeitern respektiert, verfüge über Macht und andere machen daher mit höherer Wahrscheinlichkeit was ich sage (schon um nicht ihren Arbeitsplatz zu verlieren…).In der Arbeit kann ich mich leichter hinter meiner Rolle verstecken. Weiters kann eine gewisse menschliche Distanz zu Kollegen, Mitarbeitern und den Konsequenzen meiner Entscheidungen (z.B. wenn ich eine Kündigung ausspreche) für den - oberflächlichen - Erfolg sogar förderlich sein. Die Beziehung zum Partner oder zu Kindern kann deutlich komplizierter und nicht so einfach zu „managen“ sein, bringt mich schneller an die eigenen Grenzen und wirft mich auf mich selber und meine Unzulänglichkeiten zurück. Hier fällt die Kontrolle anderer viel schwerer und wenn ich einfach nur eine Rolle spiele, aber menschlich Distanz halte, ist das sicher kein Erfolgsrezept für gesunde und freudvolle Erziehungsarbeit und Beziehungen.Um diesen Frustrationen zu entgehen, kann die Arbeit zu einem Fluchtort werden. Dass, wenn ich mehr arbeite und weniger Zeit mit Partner und Familie verbringe, die Probleme in diesem Lebensbereich noch größer werden, ist aber sehr wahrscheinlich. Und das wird wieder zu verstärktem Arbeitseinsatz führen, um wenigstens in der Arbeit Erfolgserlebnisse zu haben. Es ist klar wohin das führt. Die eine oder andere Scheidungsserie in Manager-Haushalten wird wohl auch mit diesem Teufelskreis zusammenhängen…

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